Posts mit dem Label Jugendbücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jugendbücher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. Februar 2012

Ransom Riggs - Die Insel der besonderen Kinder


Dies ist die Geschichte von Jacob und seinem Großvater. Die Geschichte des Großvaters geht in diesem Buch zu Ende, die von Jacob hoffentlich noch lange nicht. Das könnte schon mein Fazit sein, denn das Ende von „Die Insel der besonderen Kinder“ schreit förmlich nach einer Fortsetzung.

Der junge Jacob kommt aus einer bürgerlichen amerikanischen Familie. Er pflegt ein besonders enges Verhältnis zu seinem Großvater, der ihm stets geheimnisvolle Geschichten aus dessen Vergangenheit erzählt. Anfangs glaubt Jacob seinem Großvater noch, doch je älter er wird, desto mehr hält er das Meiste für ausgedacht und fiktiv. Eines Tages erhält er von seinem Großvater einen Anruf, in dem dieser seinen Enkel um Hilfe bittet. Jacob kommt nicht mehr rechtzeitig am Haus des Großvaters an, er findet ihn schwer verletzt vor. Das letzte, was dieser Jacob noch ins Ohr flüstern kann, ist die Bitte, er möge den Vogel finden, in der Schleife, auf der anderen Seite vom Grab des alten Mannes, 3. September 1940. Danach stirbt der Großvater. Und einer Sache ist sich Jacob absolut sicher, nämlich dass er noch am Tatort ein Monster gesehen hat.

Von diesem Tag an ist Jacob davon besessen, die Insel zu besuchen, auf der sein Großvater in seiner Jugend lebte. In der Hoffnung, dass er herausfindet, was die erzählten Geschichten von Cairnholm bedeuten.

Ransom Riggs hat ein spannendes Fantasy-Buch geschrieben. Es ist für die Jugend geeignet, aber auch als Erwachsener hat man seinen Spaß an dieser Story. Ein ums andere Mal wird einem mit Fortgang der Geschichte vieles klarer, was zu Beginn noch ungeklärt im Raum steht. Alle Kreise schließen sich, es bleiben keine Fragen offen. Bis auf eine…nämlich: Wie geht es weiter?

Hervorzuheben sind außerdem die Fotos im Buch, die alle richtig platziert sind und durch den Text im Buch erläutert werden. Sie verleihen dem Leser noch mehr Vorstellungsvermögen von dem, was sie gerade lesen. Insgesamt ein hervorragendes Buch, ein Fantasy-Roman ohne Vampire, Drachen, Elfen und Zwerge, dafür aber mit Monstern und ganz besonderen Kindern.

416 Seiten
ISBN-10: 3426283689
ISBN-13: 978-3426283684
erschienen am 02. November 2011
PAN

Freitag, 16. Dezember 2011

Siobhan Dowd/Patrick Ness - Sieben Minuten nach Mitternacht


Dieses Buch trägt schon in seiner Entstehung eine Tragik in sich. Siobhan Dowd, die erst im Alter von 46 Jahren ihren Debütroman „Ein reiner Schrei“ veröffentlichte, erlebte nur noch die Publikation ihres zweiten Werkes. Ein Buch, welches nach ihrer Idee entstand, sie es aber nicht mehr selbst schreiben konnte. Sie erlag mit 47 Jahren ihrem Krebsleiden. Patrick Ness, der auch als Literaturkritiker in London für die Tageszeitung „The Guardian“ tätig ist, schrieb „Sieben Minuten nach Mitternacht“, in dem er sich an dem vorgegebenen Gedankengerüst von Siobhan Dowd entlang hangelte. Das Ergebnis ist ein brillanter, äußerst atmosphärischer, nachdenklich stimmender Jugendroman.

Im Mittelpunkt steht Conor, ein 11-jähriger Junge, dessen Mutter an Krebs erkrankt ist und mit der er alleine lebt, da sein Vater inzwischen eine neue Familie gegründet hat und in den USA wohnt. Conor ist mit fortschreitender Dauer mehr und mehr auf sich selbst gestellt, da die Behandlungen seine Mutter schwer beeinträchtigen. Jede Nacht, um „Sieben Minuten nach Mitternacht“ erscheint das Monsters und tritt in das Leben von Conor ein. Der Junge steckt nicht voller Angst, nicht im Ansatz eingeschüchtert tritt er dem Monster entgegen, welches voller Weisheiten und brauchbaren Lebenseinstellungen steckt.

Dies ist kein Märchen, dies ist kein Fantasyroman, und somit sei verraten, dass das Monster nicht in der Lage ist, die Mutter von Conor auf wunderbarer Weise zu heilen. Aber es ist in der Lage, dem Jungen das Leben zu erklären und ihm klar zu machen, dass man die Herausforderungen annehmen muss. Um zu erfahren, wie das geht, muss Conor, ob er will oder nicht, mit dem Monster auf die Reise gehen…

Die wunderschönen Illustrationen stammen übrigens von Jim Kay. Sie sind eine Sammlung von Klecksen, Schlieren und Flecken, die mit Zeichnungen und Malereien zusammen gefügt sind.

Ohne Frage ein Jugendroman, der das Zeug dazu hat, Standardlektüre für diese Generation zu werden. Für Kinder nicht ganz so gut geeignet. Nicht, weil der Inhalt anstößig sein könnte, sondern weil sie die wesentlichen und treffenden Aussagen wohl noch nicht verstehen werden.

ISBN-10: 3570153746
ISBN-13: 979-3570153741
216 Seiten
erschienen am 29. August 2011
cbj

Sonntag, 12. Juni 2011

Antonia Michaelis - Der Märchenerzähler



Als Anna zum ersten Mal Abel Tannatek begegnet, da ist die Welt weitestgehend in Ordnung. Sie ist sich sicher, dass sie unmittelbar nach dem Abitur nach England möchte, um dort zu studieren. Doch zuerst muss das Abi bestanden werden. Anna kommt aus gutem Haus, ohne Sorgen und Geldnöte. In der Schule trifft sie auf Abel, einem Außenseiter, genannt der polnische Kurzwarenhändler, weil er offenbar Drogen vertickt, stets zu spät in den Unterricht kommt, die Musik von Leonard Cohen hört, eine schwarze Mütze und ein T-Shirt mit der Aufschrift der Bösen Onkelz trägt und in einem Plattenbau in Greifswald wohnt. Schnell stellt sich heraus, dass der Junge einen vollkommen eigenen Weg geht und sich trotzdem rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert, weil die Mutter Michelle für längere Zeit verreist ist und der Vater nicht mehr zu Hause wohnt. Anna und Abel können unterschiedlicher kaum sein!

Abel erzählt seiner Schwester ein Märchen: Von der Klippenkönigin, die sich gerade noch vor dem Untergang ihrer Insel retten kann und sich fortan, in Begleitung ständig neuer Figuren auf einem Schiff auf der Flucht befindet, um das rettende Festland zu erreichen.

Anna und Abel kommen sich näher und es dauert nicht lange, dass Anna dem Märchenerzähler und seiner Geschichte beiwohnen darf. Und ebenso schnell wird klar, dass die Übergänge des Märchens und die der Wirklichkeit fließend sind. Nur so viel sei noch verraten: Es sterben Menschen und es ist für den Leser überhaupt nicht ersichtlich, wer denn nun der Täter ist. Motive gibt es genügend, und auch der Verdacht gegen einzelne Personen lässt den einen oder anderen Schluss zu.

Was sich hier entwickelt, ist spannend und herzergreifend zugleich. In einem wirklich mutig leichten Stil empfinde ich Antonia Michaelis‘ Erzählkunst auffordernd und einladend, möglichst zügig dieser großartigen Story beizuwohnen. Man merkt, dass die Autorin eigentlich noch „Eine von dieser Welt ist“. Nie den Haupthandlungszweig aus den Augen verlierend beschreibt sie die tatsächliche Welt unserer Schüler und Schülerinnen. Da werden Hakenkreuze auf Schilder vor der Grundschule gesprüht und gestohlene Fahrräder nach dem unbefugten Gebrauch irgendwo auf gehangen, dazu lungern Betrunkene auf einem Netto-Parkplatz herum. Sie vermittelt Einsichten „Wenn man sich ein Leben lang kennt, kann man einander auch im Dunkeln sehen“ sowie „arm bleibt arm und reich bleibt reich“. Und es steht die Frage im Raum „was interessiert das Sozialamt wirklich, wenn es um die Vergabe eines etwaigen Sorgerechts geht?“. Sie macht Hoffnung, dass es sich bei der heutigen Jugend nicht um die sog. „Generation Doof“ handelt, denn die gezeigten Charaktere diskutieren über den Einsatz der deutschen Soldaten in Afghanistan, über den kontrollierten Beschuss von Wild in unseren Wäldern und sehen die Massentierhaltung kritisch.

Dieses Buch ist anders, als man es wahrscheinlich gewohnt ist. Es gelingt der Autorin Märchen und Realität miteinander zu verweben. Und vergehen die ersten ca. 300 Seiten schon recht ansprechend, so nimmt die Geschichte auf den weiteren 150 Seiten nochmals richtig Fahrt auf, mit einem Ende, welches selbst einen hartgesottenen Leser in Sachen Emotionalität auf die Probe stellt. Ich möchte Antonia Michaelis noch nicht zu sehr hoch leben lassen, doch dieser Roman lässt mich vermuten, dass sehr großes Potenzial in der Autorin steckt. Ich warte den nächsten Roman ab. Sie hat mit „Der Märchenerzähler“ die Trauben ganz weit nach oben gehängt. Das ist ein großartiger Roman für Jugendliche und Erwachsene.

ISBN-10: 9783789142895
ISBN-13: 978-3789142895
erschienen im Februar 2011
446 Seiten
Oetinger Verlag

Samstag, 28. Mai 2011

Robert Louis Stevenson - Die Schatzinsel (Treasure Island)

Ich glaube, dass der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson einer der unterschätztesten Autoren ist. Nein, besser „war“, denn anders ist es nicht zu erklären, dass es Zeiten gab, in denen man den Mann fast vollkommen aus der Literatur ausblendete. Ich gehöre zu denen, die möglichweise niemals so richtig erwachsen werden und deshalb schäme ich mich auch nicht, wenn ich hin und wieder etwas in Nostalgie schwärmen möchte und, nach dem ich mich an meine eigene Kindheit erinnert habe, zu einem alten Roman greife.

Und da ist natürlich „Die Schatzinsel“ präsent, nicht nur wegen der schönen TV-Verfilmung aus dem Jahr 1966, die allerdings viel mehr auf die filmischen Charaktere wert gelegt hat, als dass das England im viktorianischen Zeitalter eine wesentliche Rolle spielte. Aber genau Letzteres ist es, was dieses Buch gar nicht so unwesentlich macht. Weitestgehend aus der Ich-Perspektive erzählt uns der junge Jim Hawkins sein Abenteuer, als er im Zuge der Geschehnisse um die Schänke seiner Eltern, dem „Admiral Benbow“, in ein Abenteuer auf der Südsee und auf einer unbekannten Insel gerät. Die Fahrt auf der Hispaniola, befehligt vom sauberen und linientreuen Kapitän Smollett, mit dem einbeinigen Koch John Silver, der zu einem der Hauptprotagonisten avanciert und dem gescheiten, Pfeife rauchenden Dr. Livesey. 

Stevenson und seine Reiseberichte sind lesenswert, hier hat er neben einer amüsanten auch eine durchaus spannende Story geschrieben. Dabei vermag er den Leser in eine Inselwelt eintauchen zu lassen, so, als wäre man selbst mit dabei. Das sind nicht nur die TV-Bilder, die sich da von der Kopfplatte ins Gedächtnis rufen. Oh, Du wunderschönes Korsika. Stevenson stellt die raue Schar überzeugend da, rüpelhaft, versoffen immer nach Rum gierend, prügelnd und messerstechend. Und dennoch befällt einen ein Hauch von Charme, der von der Meute ausgeht. Sah so die Seeräuberwelt wirklich aus? Als ganze Scharen noch Angst vor dem legendären Kapitän Flint hatten? Und auf der anderen Seite können und sollen wir uns mit der vielleicht damals so typischen und feineren englischen Gesellschaft auseinandersetzen. 

Der Schreibstil mag im Grunde genommen noch so einfach sein, Stevenson schrieb diesen Roman bereits im Jahr 1883. Karl Lerbs lieferte hier im Jahr 1974 eine immer noch sehr gute Übersetzung, für einen oftmals unterschätzten, aber wunderschönen Abenteuerroman, der sich für Jugendliche als auch Erwachsene eignet, ja eigentlich schon aufdrängt. Darüber hinaus ist das ein Klassiker. 

ISBN-10: 9783458317654
ISBN-13: 978-3458317654
erschienen am 01.07.1974
291 Seiten
Insel Taschenbuch Verlag