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Sonntag, 18. März 2012

Ken Follett - Die Tore der Welt

Wenn ich Verleger von Ken Follett wäre, dann hätte ich alleine aus monetären Gründen eine Fortsetzung des Klassikers „Die Säulen der Erde“ gefordert. Wenn ich Ken Follett persönlich wäre, dann hätte ich aus selbigen Gründen eine Fortführung der Geschichte geschrieben. Lassen wir es als gegeben stehen, dass die zahlreichen Fans des Schriftstellers genau dieses Buch wollten.

Historische Romane gibt es in Hülle und Fülle, nur wenige haben so eingeschlagen wie Folletts Story aus dem englischen Kingsbridge. Der Autor hat es im Grunde genommen clever gemacht. Er hat den Schauplatz samt Kirche beibehalten, hat sich 200 Jahre ins 14. Jahrhundert vor bewegt und ein paar wenigen Protagonisten verwandtschaftliche Beziehungen untergejubelt. Ansonsten ist „Die Tore der Welt“ ziemlich eigenständig und kann deswegen ohne „Die Säulen der Erde“ zu kennen gelesen werden. Was bei Freunden von Ken Follett allerdings kaum der Fall sein dürfte. 

Auf einen festen Plot, an dem sich die gesamte Geschichte entlang hangelt, wurde verzichtet. Vielmehr lesen wir die Lebensgeschichte zahlreicher Personen, die im damaligen England ihr (Un-)Wesen trieben. Adel, Ritter, Baumeister, Kaufleute, Mönche, gespickt mit außerordentlich viel Sex und anderen Sauereien, die dem Leser ein ums andere Mal auch Wut in den Bauch treiben. Ach ja, und dann gab es da noch eine schlimme Krankheit, die sich Pest nannte und von Italien aus rasend  schnell ganz Europa eroberte. Wer sind die Hauptprotagonisten? Eindeutig Caris und Merthin, ein talentierter Baumeister, eine Freundin namens Gwenda, ein unsympathischer Ralph sowie ein feiger und hinterlistiger Mönch mit Namen Godwyn. Klar, da gibt es noch viel mehr Menschen, über die der Leser auf den fast 1300 Seiten stolpert. 

Womit ich auch zur wirklich einzigen Kritik komme: Das Buch ist viel zu dick und die Story zu lang. Irgendwann nervt es, weil so manche Boshaftigkeit vorausschaubar ist, weil Caris ewig nicht in der Lage ist, ein und dieselbe Frage für sich selbst zu klären und weil Merthin unbelehrbar und auf ewig an einer einzigen Frau klebt. Insgesamt liest sich der Wälzer dennoch recht flott und einfach dahin, Follett entspannt den Leser mit recht weicher Kost und hat zudem offensichtlich gut recherchiert. Wer gerne Zeuge „Der Säulen der Erde“ war, wird auch gerne durch „Die Tore der Welt“ schreiten und die vielen Stunden mit diesem Schmöker nicht bereuen. 

ISBN-10:  3785723164
ISBN-13:  978-3785723166
1296 Seiten
erschienen am 29. Februar 2008
Bastei Lübbe

Freitag, 27. Mai 2011

Charlotte Lyne - Glencoe

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die historischen Romane seit Ken Folletts „Die Säulen der Erde“ einen wahren Hype bei den Lesen erleben. Und je mehr es davon auf dem Markt gibt, umso kritischer betrachte ich. Nun gibt es verschiedene Aspekte, je nach Blickwinkel, die einen historischen Roman aus der Masse hervor heben können. Sei es die Story an sich, die den Leser mit einer gehörigen Portion an Spannung verwöhnt, sei es der verarbeitete Wahrheitsgehalt, der sich hinter der Story verbirgt. Manchmal ist es auch die Sprache, die der/die Autor(in) in seinem/ihrem Buch verwendet. 

„Glencoe“ hat von allem etwas und ist deswegen ein guter Roman. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts tauchen wir in die schottischen Highlands ab. Dieses Hochland ist rau, die Winter sind kalt, die Sommer sind kurz. Dort leben die Clans, bis auf kriegerische Verbrüderungen, weitestehend jeder für sich. Es geht wie so oft um die englische Thronfolge. Auf der einen Seite Jamie Stuart, schottischer (Noch-)König, vom Clan der MacDonalds bedingungslos unterstützt. Zum anderen strebt Wilhelm von Oranien, mit der Tochter Marie Stuart verheiratet, ein Niederländer, den Thron an. Er wird vom Clan der Campbells gestützt. Mehr oder weniger historisch belegt reichen diese Tatsachen noch nicht aus, um den Buchwurm mitzureißen. Das aber der Sohn des Clanchefs der MacDonalds, Sandy Og, eine Tochter des verfeindeten Clanoberhauptes der Campbells, Sarah, heiratet und zu sich nimmt, gibt der ganzen Angelegenheit dann doch eine gewisse Würze. Sarah, weder anerkannt noch allgemeingültig für besonders attraktiv befunden, lebt in ihrer neuen Wahlheimat ein einsames und verspottetes Leben. Als dann der Erstgeborene auch noch verkrüppelt zur Welt kommt, scheint eine positive Entwicklung des gemeinsamen Lebens unmöglich.

Es sind die Charaktere, die Charlotte Lyne in ihrem Buch liebevoll zeichnet. Sandy Og, der von seiner Statur durchaus auch ein Draufgänger sein könnte, vermag den Leser durch sein Verhalten ein ums andere Mal die Frage stellen lassen, wann denn nun eine entsprechende und nachhaltige Reaktion erfolgt. Sarah, die bei aller Verzweiflung ihren Mann und ihren Sohn immer in den Vordergrund stellt, die Chiefs der beteiligten Clans, die geradezu verbittert an ihren Tugenden und ihren gegebenen Versprechen festhalten, koste es, was es wolle. Eine einsame Marie Stuart, die völlig andere Erwartungen als ihr Gatte hat. Die handelnden Personen in den Feldzügen, mit Siegen und Niederlagen, aber vor allen Dingen die Geschehnisse und Versäumnisse, die letztlich zum Massaker von Glencoe führen, heben dieses Buch sehr weit nach oben. Die Sprache der Schriftstellerin unterscheidet sich vom Üblichen, verlangt zwar etwas mehr Aufmerksamkeit, doch ist genau das der Unterschied zu vielen anderen historischen Romanen, der das berühmte Salz in der Suppe ausmacht.

Als Schwiegertochter eines Schotten hat die Autorin in der von ihr beschriebenen Gegend gelebt. Dies scheint der Garant dafür zu sein, dass ich von Beginn an beim Lesen der Zeilen einen klaren Blick auf das mir unbekannte schottische Hochland hatte. Eine schöne und spannende Atmosphäre in den Abendstunden bei einem guten Glas Rotwein!

ISBN-10: 3431038190
 ISBN-13: 978-3431038194
erschienen am 25. September 2010
640 Seiten
Lübbe Ehrenwith Verlag